Die Geschichte von Equitaris III (liebevoll von meinem Mann „Teuraz“ genannt: Teuerster Rasenmäher aller Zeiten) ist so unfassbar, dass wir sie selbst oft kaum glauben können.
Er kam im Sommer 2018 von der Hofauktion Borgmann zu uns- ein gerade vierjähriges riesengroßes Pferd mit einer langen Vor- und Nachgeschichte...
Bis heute rufen uns regelmäßig Leute an, die dort ebenfalls im Laufe der Jahre junge Pferde ersteigert haben- teilweise gleich mehrere vermeintliche Hoffnungsträger für teilweise sechsstellige Beträge im höheren Bereich, die nun auch kranke, unreitbare Pferde im Stall – oder vielmehr meist teuer in Beritt – sogar in Olympiaställen- stehen haben- und die sich fragen, was da eigentlich passiert sein könnte.
Man hat doch vertraut. Hofauktion. Das klingt so persönlich. Das fotogene Lächeln. Die im Auktions-Hofmagazin erklärte Fürsorge, die Pferde seien nicht zur Schlachtung vorgesehen und man verpflichte sich, die ersteigerten Pferde „artgerecht zu halten und pferdegerecht nach ethischen Grundsätzen zu behandeln und“ …jetzt kommt das Beste … „insbesondere bei Bedarf, diesem Tier rechtzeitig tierärztliche Hilfe zukommen zu lassen.“
Regelmäßig werde ich gefragt, ob man bei der Hofauktion Borgmann ein Pferd kaufen könne. Und was ich antworte? Das müssen Sie selbst wissen. Ich erzähle, wie mit uns umgegangen wurde. Die Entscheidung trifft jeder selbst. Spätestens nach Begutachtung der Auktionsvideos würde ich zumindest unbedingt Röntgenaufnahmen von Genick, Hals und Rücken machen, alle Beine sorgfältig schallen, eine klinische Untersuchung inklusive Beugeproben machen und parallel eine Dopingprobe nehmen lassen. Alles von meinem eigenen Tierarzt. Vor meinen Augen.
So antworte ich nach unseren unglaublichen Erfahrungen.
Wir selbst würden natürlich nie wieder ein Pferd unter solchen Bedingungen kaufen- so gehalten, so geritten.
Auch ich habe so ein Pferd ersteigert- wider besseres Wissen, denn ich hätte als erfahrene Pferdefrau und Reiterin die Warnzeichen nicht übersehen dürfen. Die festgestellten Pferde. Die Spannungstritte. Die überhöhten Tempi. Die TÜV-Anmerkungen bei allen probierten Pferden, die wenigstens transparent waren und eigentlich schon das Ende hätten bedeuten müssen- auch ohne die teilweise in letzter Minute von anderen Kunden angefertigten Hals- und Rückenbilder. Die kaputten engen Hufe mit zig Ballentritten.
Aber damals war ich hungrig. Ich sah ein vierjähriges Pferd auf dem Video passagieren- und uns beide in einem Grand Prix Viereck. So wie auch jetzt wieder hungrige Menschen ein fünfjähriges Pferd in einem Video dort passagieren sehen- zwar fest und mit eingeklemmtem Schweif- aber selbst von zukünftigen Championatsauftritten oder coolen Besitzerpläuschchen im VIP-Zelt träumen. Ich sehe bei diesem Video keine Ehrenrunde mehr, sondern eine zugige Tierklinik bei Minusgraden mit einem jungen kranken Pferd am Strick und €10.000-Rechnungen in regelmäßigen Abständen wegen chronischen Fesselträgerschäden und ähnlichem Ungemach.
Gibt es eigentlich auch ein großes Führabzeichen? Hätten wir mit Equitaris in Gold mit dreimal Eichenlaub.
Das ist mein Teil der Schuld. Ich hätte niemals ein Pferd bei Stefan Borgmann kaufen dürfen. Nicht von ihm persönlich und schon gar nicht auf der Auktion.
Aber warum habe ich alle Warnzeichen ausgeblendet und trotzdem bei Equitaris III die Hand gehoben? Keiner stand mit einer Pistole hinter mir. Niemand hat mich gezwungen. Auch Stefan Borgmann nicht.
Heute weiß ich es.
Und es wird mir nie wieder passieren. Dass ich ein überfordertes krankes zusammengeknalltes Pferd kaufe und damit den ganzen Zirkus noch befeuere. Mea culpa.
Aber wie kam es dann überhaupt dazu, dass Equitaris III bei uns „gelandet“ ist?
Ich erzähle die ganze Geschichte hier nach und nach in Ruhe.
Vielleicht erspart das einigen Menschen und Pferden zukünftig falsche Träume und kaputte Körper.
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